Start-up „kleinFORMAT“ fertigt personalisierte Lampenschirme aus Bildern in Diarahmen

Jeder kennt die Situation: Es steht ein runder Geburtstag an, eine Hochzeit oder ein Jubiläum, und man möchte etwas ganz Besonderes, Individuelles verschenken. Doch die üblichen Fotogeschenke, wie Tassen oder Mousepads, sind einfach nicht das Richtige. Genau dieses Erlebnis hatte auch Lena Eckhardt aus Messel. Und löste das Problem auf ihre Art: Sie gründete das Start-up kleinFORMAT, mit dem sie personalisierte Lampenschirme aus Bildern in Diarahmen fertigt. Wir haben sie in ihrem Atelier besucht.

Heute ist Anna dran. Vorsichtig hebt Lena sie aus dem Regal und sieht sie prüfend an. „Alles perfekt“, murmelt die 36-Jährige und stellt Anna vor sich auf den Arbeitstisch. Leise klimpert ihr Schirm. Nach und nach verpasst Lena ihrer Anna nun den letzten Schliff. Mit viel Liebe zum Detail setzt sie die Fotos der Kundin, die sie vorher auf Folie ausgedruckt hat, in den Schirm aus Diarahmen ein. Zuletzt noch die kleine Glühbirne, dann ist Anna fertig. Und spätestens jetzt wird klar: Anna ist eine Tischlampe. Und eine besondere noch dazu: „KleinAnna ist eine von zwei Lampen, die wir selbst entworfen haben“, erzählt Lena. Die 50 Zentimeter hohe Tischlampe hat vier hölzerne Füße, die, für den besseren Stand, mit einem Holzkreuz verbunden sind. In ihren runden Schirm aus weißen Diarahmen passen 64 Fotos. Sie ist schlicht und, durch die in den Lampenschirm eingearbeiteten Bilder der Kunden, dennoch raffiniert. Dann drückt Lena den Schalter – und lässt Anna erstrahlen. Weiches, warmes Licht fällt durch die Bilder und wirft gelbe Strahlen auf die Wand. „Einfach immer wieder ein schöner Moment“, schmunzelt Lena, während sie stolz ihre Kreation betrachtet.

„Hessen ist ein guter Standort, um ein Start-up zu gründen. Wir arbeiten mit vielen andern Firmen zusammen, die hier direkt in der Nähe angesiedelt sind.“

Lena Eckhardt
Gründerin und Inhaberin von „kleinFORMAT“ 

Atelier und Büro von Lena Eckhardt liegen im ehemaligen Schulhaus von Messel. Der 4000-Einwohner-Ort nordöstlich von Darmstadt ist vor allem für seine Fossilienfundstätte bekannt, die Grube Messel, die 1995 zum UNESCO-Welterbe erklärt wurde. Seit ein paar Jahren kennt man den Ort aber auch wegen Lenas Atelier kleinFORMAT, in dem die Selfmade-Unternehmerin die Lampen aus Bildern fertigt. „Wir haben verschiedene Schirmgrößen und Füße: Caro, Rosi, Erna und Ella sind kleine Tischlampen, Henri, Olga und Anna große Tischleuchten. Luke, Joe und Jack hängen von der Decke und Frida, Mayumi und Julie sind Stehleuchten“, erzählt Lena. Woher die Namen kommen? Lena lacht, wie so oft an diesem Tag. „Anfangs habe ich die Lampen nach meinen Freundinnen benannt. In den letzten Jahren haben wir aber meistens eine Community-Aktion draus gemacht. KleinRosi, kleinHenri, kleinCaro und kleinFrida zum Beispiel sind alles Namen, die sich unsere Instagram-Follower ausgesucht haben.“

Neben dem Büro mit seinem großen Wandregal, in dem Anna, Caro, Ella und Co. darauf warten, gekauft und durch persönliche Bilder aufgehübscht zu werden, gibt es in dem Altbau noch einen Verpackungsraum, ein Lager, einen Raum, in dem die Produktfotos entstehen und eine Küche, „die wir zur Hälfte ebenfalls als Lager nutzen“, sagt Lena, die ihr Unternehmen mit viel Hingabe und Leidenschaft führt. Die Leuchten bestehen aus vielen Einzelteilen, und die brauchen Platz. „Ich bin froh, dass wir vor einem Jahr das alte Schulhaus beziehen konnten“, erzählt Lena. „Bis dahin habe ich die Lampen bei mir zu Hause zusammengebaut, zum Teil im Zimmer meiner Tochter.“ Heute wäre das unvorstellbar. Rund 50 Bestellungen bearbeiten Lena und ihre Aushilfen pro Woche. „Und zur Weihnachtszeit verpacken wir bis zu 80 Lampen am Tag. Da ist selbst dieses Haus zu klein für uns.“ Trotz aller Platzprobleme ein Grund zur Freude: Lenas Lampen kommen eben einfach gut an.

Lena Eckhardt hat sich ganz bewusst dazu entschieden, ihr Unternehmen in ihrer südhessischen Heimat Messel zu gründen. „Hessen ist ein guter Standort, um ein Start-up zu gründen. Wir arbeiten mit vielen andern Firmen zusammen, die hier direkt in der Nähe angesiedelt sind.“ Auch die Unterstützung für Kreative sei in Hessen gegeben, etwa beim Hessischen Kreativwirtschaftstag, an dem Lena Eckhardt auch schon teilgenommen hat. „Das hat mich sofort angesprochen. Es war schön zu sehen, dass kleinere Unternehmen den Sprung zu einem mittelständischen Unternehmen geschafft haben. Das ist eine gute Motivation.“

Foto: Udo Bernhart / Hessen Agentur

Foto: Udo Bernhart / Hessen Agentur

Foto: Udo Bernhart / Hessen Agentur

Foto: Udo Bernhart / Hessen Agentur

Foto: Udo Bernhart / Hessen Agentur

Foto: Udo Bernhart / Hessen Agentur

Foto: Udo Bernhart / Hessen Agentur

Foto: Udo Bernhart / Hessen Agentur

Foto: Udo Bernhart / Hessen Agentur

Foto: Udo Bernhart / Hessen Agentur

Foto: Udo Bernhart / Hessen Agentur

Im Atelier wird Lena heute unter anderem von Anastasia und Lucrecia, von allen „Lu“ genannt, unterstützt. Die beiden Frauen haben eigentlich andere Jobs, unterstützen Lena aber regelmäßig für ein paar Stunden in der Woche. Die drei Frauen sitzen gemeinsam im Büro. „Wir arbeiten gerne zusammen“, sagt Lu. „Wir kennen uns alle schon lange aus dem Ort, und es macht großen Spaß, gemeinsam an den Lampen zu fertigen.“ Lena war es wichtig, den „Start-up-Flair“ im Büro zu erhalten. So gibt es immer ein gemeinsames Mittagessen, spendiert von der Chefin, auch Kuchen ist keine Seltenheit. „Und Lena holt uns, obwohl sie ja die Chefin ist, immer mal Kaffee“, lacht Anastasia. Sie schneidet gerade die Bilder für Henri zu, eine große Tischlampe mit grau-braunen Holzfüßen. 64 Fotos passen in seinen Schirm. Die quadratischen Bildchen hat Lena auf eine Folie gedruckt, die Anastasia mit einer Hebelmaschine auf die richtige Größe zuschneidet. Und das klingt einfacher, als es ist. „Das Zuschneiden braucht etwas Übung. Wenn man zu viel Rand an den Bildern stehen lässt, wölben sie sich in den Rahmen und das sieht nicht schön aus“, erklärt sie. Routiniert schneidet Anastasia Bild für Bild aus und steckt sie anschließend einzeln in die weißen Rahmen, die, mit kleinen Metallösen im Kreis aneinandergeknüpft, den Lampenschirm ergeben.

Auch Lu bastelt an ihrer Lampe. Sie hat Rosi auf dem Tisch. Einen Lampenfuß im Look eines kupferfarbenen Diamanten. Dazu hat sich eine Kundin – passend zum Namen des Fußes – einen rosafarbenen Lampenschirm ausgesucht. „Die Kombination hatten wir auch noch nicht so oft“, sagt Lu und betrachtet die Lampe eingehend. „Das Besondere bei uns ist, dass die Kunden die Lampenfüße und Schirme individuell zusammenstellen können“, erklärt Lena. „Und so ergeben sich auch für uns immer wieder neue Kombinationen.“ Die Chefin setzt sich unermüdlich für ihr Unternehmen ein und entwickelt kreativ immer neue Ideen. So sollen die Kunden künftig die Möglichkeit haben, ihre Bilder vor dem Upload mit Filtern zu bearbeiten. Schwarzweiß ist jetzt schon möglich.

Dass aus ihrer Idee einmal ein kleines Unternehmen wird, damit hätte Lena vor fünf Jahren noch nicht gerechnet. Bis zu ihrer zündenden Idee arbeitete die Mutter von zwei Töchtern in einer namhaften, internationalen Softwarefirma im Bereich Marketing. „Eigentlich war ich nur auf der Suche nach einem Geschenk für den 30. Geburtstag einer sehr guten Freundin. Die üblichen Fotogeschenke hatte sie aber schon alle und so brauchte ich eine neue Idee“, erzählt sie. „Ich hatte eine ähnliche Lampe schon einmal irgendwo gesehen, daran gefielen mir aber viele Dinge nicht. Also bastelte ich mit einer Freundin zusammen eine eigene. Wir haben in Diarahmen von Hand Löcher gebohrt, um sie miteinander verbinden zu können. Außerdem haben wir sie lackiert, weil uns das Grau nicht gefiel. Das war extrem viel Arbeit, aber am Ende hatten wir ein tolles, individuelles Geschenk. Und kaum hatten wir die Lampe verschenkt, wollten noch mehr Menschen eine haben.“ Und so nahm alles seinen Lauf. Ein Jahr tüftelte Lena an ihrem Produkt, entwickelte es weiter und suchte nach Lösungen, die Arbeitsschritte zu vereinfachen. „Die erste Herausforderung war, aus digitalen Fotos Dias herzustellen. Es gibt zwar Geschäfte, die das machen, das ist aber meist sehr kostspielig“, so Lena. „Die zweiter Herausforderung waren die Rahmen. Das Lackieren und Löcherbohren war einfach zu zeitaufwändig.“ Doch Lena gab nicht auf.

Heute werden die Rahmen in vier verschiedenen Farben – weiß, schwarz, grau und rosa – von einer Firma im benachbarten Dieburg hergestellt, ganz nach Lenas Wünschen. „Drei Aushilfen knüpfen dann in Handarbeit im Home Office die einzelnen Diarahmen zusammen, sodass daraus die Lampenschirme entstehen. So müssen wir sie hier im Büro nur noch mit den Bildern der Kunden bestücken.“ Und auch für die Fotos fand sich eine Lösung: „Die Kunden können ihre Bilder nach dem Bestellen in einem Uploadportal hochladen, dort quadratisch zuschneiden und uns dann schicken. Wir drucken sie dann in der richtigen Größe aus.“ Was so einfach klingt, hatte es in sich: „An der richtigen Drucktechnik habe ich lange gefeilt. Das richtige Papier, die richtige Farbe, alles spielt eine Rolle. Aktuell lasse ich einen Drucker entwickeln, der schneller sein und uns die Arbeit erleichtern soll“, sagt Lena. Auch die Lampenfüße sind nicht nur vom Großhändler zugekauft: „Zwei unserer Füße sind eigenen Designs aus Holz, kleinAnni und kleinAnna. Die lassen wir in Behindertenwerkstätten im Odenwald anfertigen. Darauf sind wir sehr stolz.“

Lenas große Liebe zum Detail ist nicht nur bei den Lampen, sondern auch in jedem Raum ihres Ateliers zu sehen: An den Fenstern sind bemalt mit kleinen Silhouetten von Glühbirnen, an den Wänden hängen Postkarten und Schilder mit Sprüchen wie „Heute ist ein schöner Tag“ oder „Erfolg kommt dann, wenn du das tust, was du liebst“. Und genau das macht Lena. „Klar war die Selbstständigkeit ein neues Pflaster für mich. Ich habe aber BWL studiert und mir das daher zugetraut“, erzählt sie. Ganz so einfach war es dann aber doch nicht: „Ich musste schon viel dazulernen, gerade Bürokratisches. Aber Hessen ist ein guter Standort, um ein Start-up zu gründen. Es gibt viele Events für junge Unternehmer, auf denen ich viel Unterstützung bekommen habe und hilfreiche Kontakte knüpfen konnte, etwa auf dem Kreativwirtschaftstag.“

Annas Reise ist auf Lenas Schreibtisch aber noch nicht zu Ende. Vorsichtig trägt Lena sie hinüber in den Verpackungsraum. Hier erhält Anna einen Überwurf aus rosafarbenem Seidenpapier, das mit einer Banderole an der Lampe befestigt wird. Auf einem kleinen Schildchen ist die Anweisung „Zieh mich hoch“ zu lesen. So eingehüllt steckt Lena die Lampe in einen sechseckigen Karton. „Wenn die Kunden den zu Hause öffnen, können sie Anna an der Banderole einfach nach oben rausziehen“, erklärt Lena den Clou. Damit die Leuchte unterwegs aber auf keinen Fall beschädigt wird, kommt sie zusätzlich in einen größeren Karton, gut gepolstert mit Packpapier. Noch ein „Huhu, da bin ich“-Kärtchen mit rein, „Kleinformat“-Paketband drumherum und schon ist Anna fertig für die Reise zu ihrer neuen Besitzerin. „Und wenn sie ihr genauso gut gefällt wie mir, dann hat sich jeder Handgriff gelohnt.“

(Alle Fotos: Udo Bernhart / Hessen Agentur)

Wissenswertes zum Thema

„kleinFORMAT“-Lampen

Lena Eckhardt
Langgasse 5
64409 Messel
Deutschland

Tel.: +4915128845259
Mail: kontakt@kleinformatlampen.de
Website: www.kleinformatlampen.de

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    4. Kreativwirtschaftstag am 10. September 2021

    Nach der pandemiebedingten Pause ist der Kreativwirtschaftstag zurück. Die Konferenz für alle kreativen Teilmärkte findet am 10. September 2021 statt.  Der 4. Kreativwirtschaftstag wird live als Digitalevent vom Campus Westend in Frankfurt am Main gesendet.

    „Einfache Antworten gibt es nicht, deshalb ist das interaktive digitale Programm so heterogen und überraschend wie die Branche selbst“, betont Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir. Er freue sich deshalb sehr, Initiativen, Vereine, Unternehmen und viele weitere Kreative auch in diesem Jahr beim 4. Kreativwirtschaftstag begrüßen zu dürfen.

    Anmeldung sowie alle Infos zu Keynotes, Experten & Rednern gibt es hier:
    www.kreativwirtschaftstag.de