gelb-blaue Volleybälle in Kiste mit Anzeigentafel beim Landessportbund Hessen e.V.
© Sarom Yohannes / HA
30.03.2026 | Leben
von Anna Springer
Anna Springer

Spitzensport: Made in Hessen

Die Sportstiftung Hessen fördert junge Sportlerinnen und Sportler

Turner und Olympiasieger Fabian Hambüchen, Weitsprung-Weltmeisterin Malaika Mihambo und Beachvolleyball-Olympiasiegerin Laura Ludwig stehen für Leistungssport auf höchstem Niveau. Um dieses zu erreichen und zu halten, braucht es ein leistungsförderndes Ökosystem aus medizinischer Betreuung, Trainingslagern und mentaler Unterstützung. Viele dieser Maßnahmen müssen die Sportlerinnen und Sportler zum Teil selbst finanzieren. Die Sportstiftung Hessen begleitet sie mit gezielter Unterstützung.

Seit 2025 ist die HA Hessen Agentur GmbH Sponsoringpartner der Stiftung. Vorsitzender der Geschäftsführung Folke Mühlhölzer und sein Team durften bei dem Training der Nachwuchsvolleyballer in der Sporthalle des Landessportbundes Hessen Einblicke in den Spitzensport made in Hessen gewinnen - und in ein Fördersystem, das selbst zunehmend unter Druck gerät.

Ein fest gespanntes Netz trennt das Spielfeld in zwei identische Hälften. Die Flutlichtstrahler tauchen die Sporthalle in grelles Licht, Bälle rollen über das Spielfeld und Rufe hallen durch den Raum. Es ist kurz vor 17 Uhr, als sich die Halle für das heutige Training zu füllen beginnt - eins von acht in dieser Woche. Die Stimmung und die Atmosphäre wirken ausgesprochen gut, mit Beginn der ersten Trainingseinheit sind die Volleyballer konzentriert und fokussiert. Mitten unter den Spielern ist Phillip Seils (19), Jugendnationalspieler und Leistungssportler mit einem klaren Ziel vor Augen.

Phillip Seils im Sprung
© Corinna Beck

Phillip Seils

Der Tagesablauf der Nachwuchsspieler ist durchgetaktet: Krafttraining am Morgen, Schulunterricht bis zum Nachmittag, dann Balltraining, Abendessen. "Je nach Schulphase investiere ich abends noch ein bis zwei Stunden ins Lernen. Freizeit ist da eher ein seltener Luxus", erzählt Phillip Seils am Rande des Trainings. Mit seinem Team trainiert der Volleyballer zurzeit für das nächste Bundesligaspiel. Bereits mit acht Jahren fing er mit dem Volleyballspielen an und stellte früh sein Leben dem Ziel unter, sportlich ganz nach oben zu kommen: "Was ich durch den Leistungssport gelernt habe, ist vor allem Durchhaltevermögen, auch an Tagen, an denen meine Motivation nicht so groß ist", betont Phillip Seils. 2023 wurde er für die Jugendnationalmannschaft gesichtet, woraufhin er auf das Sportinternat am Olympiastützpunkt Hessen in Frankfurt am Main gewechselt ist.

Was man auf den ersten Blick nicht sieht: Hinter jedem Aufschlag, hinter jedem Sprung stecken nicht nur unzählige Stunden Training, sondern auch ein Netzwerk aus Unterstützung – medizinisch, psychologisch und finanziell. "Ein Netzwerk, das nicht selbstverständlich ist. Viele Nachwuchssportlerinnen und -sportler in Hessen müssen die Kosten für Internat, Therapie oder Ausrüstung selbst tragen – zusätzlich zur körperlichen und mentalen Belastung des Hochleistungssports", erklärt Thomas Neu, Geschäftsführer der Sportstiftung Hessen.

Die Stiftung unterstützt junge Talente mit direkten Zuschüssen, etwa für Unterkunft, Verpflegung, Trainingslager oder sportmedizinische Leistungen. Ohne die Förderung der Sportstiftung Hessen lägen die monatlichen Kosten für die Unterbringung, Verpflegung und Betreuung von Phillip im Sportinternat bei rund 600 Euro.

Phillip Seils in der Aufgabe
© Corinna Beck

Phillip Seils

Im vergangenen Jahr wurden mit einem Gesamtvolumen von knapp einer Million Euro rund 450 Anträge bearbeitet. "Wofür wir als Sportstiftung Hessen stehen, ist die gezielte Unterstützung junger Menschen mit überzeugender Leistungsbereitschaft. Phillip Seils ist ein Beispiel dafür. Er gehört zu den rund 300 Athletinnen und Athleten, die jeden Tag aufs Neue an ihre Grenzen gehen. Wir begleiten sie auf diesem Weg, so gut wir können", erklärt Thomas Neu.

Voraussetzung für eine erfolgreiche Antragsstellung ist die Erfüllung der Förderkriterien. Dazu gehören zum Beispiel eine mindestens zweijährige Mitgliedschaft in einem Landes- oder Bundeskader. Es gibt internationale Turniere, die vom Spitzenverband nur zu einem Bruchteil finanziert werden können. Möchten sie trotzdem teilnehmen, so müssen die Athletinnen und Athleten dort auf eigene Kosten hinfahren. "Das muss man sich mal überlegen! Die [Athletinnen und Athleten] gehen für die Bundesrepublik Deutschland an den Start, tragen die deutschen Farben und bezahlen das selbst. Die laufen dann bei uns auf."

Doch auch die Stiftung selbst hat mit wachsenden Herausforderungen zu kämpfen. insbesondere bei der Beschaffung ihrer Fördermittel. Die Einnahmen aus klassischen Quellen wie der Glücksspirale sinken seit Jahren. Gleichzeitig steigen die Kosten etwa für Flüge zu internationalen Turnieren, für neue Programme wie Trainerstipendien oder aufgrund gestiegener Lebenshaltungskosten der jungen Athletinnen und Athleten. "Ein einfaches Beispiel: Die Flugkosten für Trainingslager sind in den vergangenen fünf bis sechs Jahren deutlich gestiegen und dennoch bleibt die Höhe unserer Zuschüsse nahezu unverändert. Das zeigt, wie stark der finanzielle Druck auf die Stiftung gewachsen ist", erklärt Thomas Neu. "Eigentlich müssten wir jedes Jahr mehr fördern, nur um unser Förderlevel zu halten."

VIDEO SPORTSTIFTUNG

Förderpartner wie die HA Hessen Agentur GmbH gewinnen daher zunehmend an Bedeutung. "Nachwuchsförderung und Wirtschaftsförderung gehören für uns zusammen, denn Spitzensportlerinnen und -sportler stehen für Engagement, Ausdauer und Verantwortung. Das sind Werte, die Hessen und unsere Gesellschaft tragen. Als Wirtschaftsförderung möchten wir diesen Weg mitgestalten und stärken", betont Folke Mühlhölzer. Auch Gesellschaft und Politik sieht Thomas Neu in der Pflicht und wünscht sich ein klares Bekenntnis für den Leistungssport. Zumindest hat das Thema Sport mit der ersten Staatsministerin für Sport und Ehrenamt seinen Weg ins Kanzleramt geschafft. Das ist ein wichtiger erster Schritt. Und wer weiß, vielleicht erreicht Deutschland eine ähnliche Begeisterungswelle für den Leistungssport, wie man sie zurzeit generationenübergreifen in den Niederlanden beobachten kann.

Langfristig träumt Phillip Seils von einer Profikarriere in einer der großen Volleyball-Nationen – Polen, Italien, vielleicht sogar bei einem europäischen Topclub. Aktuell spielt Phillip Seils beim VCO Berlin.

Sportstiftung Hessen
Anna Springer

Anna Springer

Stabsstelle Unternehmenskommunikation
Anna Springer arbeitet in der Stabsstelle Unternehmenskommunikation der HA Hessen Agentur GmbH und ist für Social Media und den Podcast "20 Minuten Hessen" verantwortlich. Sie hat zuvor als Veranstaltungsmanagerin an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main gearbeitet.