Oenologie und Weinbau an der Hochschule Geisenheim University

Hätte ich damals als Schulabgänger gewusst, dass man auch Weinanbau studieren kann, wer weiß, was aus mir geworden wäre. Hier im idyllischen Geisenheim am Rhein besuchen etwa 1.400 Studenten die Hochschule Geisenheim Unisversity und studieren Oenologie, ökologischen Weinanbau, Getränketechnologie und internationale Weinwirtschaft. Geisenheim liegt malerisch an den Südhängen des Rheingaugebirges, inmitten wunderschöner Weinberge.

Der hochschuleigene Weinbetrieb stellt gute, vermarktungsfähige Weine her und man ist stolz, dass die hier gekelterten Weine so beliebt sind. Der Rheingau ist traditionell eine Riesling-Hochburg, so dass hier überwiegend Weißweine produziert werden – insgesamt rund 120.000 Flaschen pro Jahr, die anschließend in der Vinothek der Hochschule vertrieben werden. Ein Alleinstellungsmerkmal des Hochschul-Weins ist die Möglichkeit – bedingt durch die Züchtung seltener, teilweise sehr alter Reben – Cuvées aus speziellen Rebsorten zu keltern. Einige besonders seltene Rotweinreben werden im Rheingau nur hier an der Hochschule gezogen. So wird hier an den Forschungsinstituten auch erforscht, ob sich bestimmte Rebsorten in der Region überhaupt anbauen lassen.

Wir besuchen den Weinkeller der Hochschule Geisenheim und platzen mitten in den Projekttag einer Gruppe von Studenten. Sie filtern gerade Wein, um das edle Nass von Trübstoffen zu trennen. „Im Idealfall höchstens zwei Mal bis zur Abfüllung. Der Wein verliert bei jedem Filtern“, weiß Matthias Wörner, der hier an der Hochschule Weinbau & Önologie studiert. Er nimmt zwischendurch immer wieder Geschmacksproben, um zu kontrollieren, ob sich der Wein beim Filtrieren verändert.

Matthias kommt aus dem Schwarzwald und will nach dem Studium den Winzerbetrieb seiner Eltern übernehmen und ausbauen. Die Hochschule Geisenheim ist für ihn die perfekte Wahl. Nach seiner Winzerausbildung in der Pfalz sei er hierher gekommen, um zu studieren. Eine derart große Vielfalt bietet kein anderer Studienort in Deutschland für ihn. Matthias möchte irgendwann sein eigenes Weingut haben und auch hier hilft ihm die Hochschule Geisenheim. Sie bietet nämlich auch Module im betriebswirtschaftlichen Bereich an. In diesem Rahmen erstellt Matthias für die Übernahme des elterlichen Winzerbetriebes einen Businessplan, der die Umwandlung vom Betrieb als Traubenproduzent hin zum Flaschenweinerzeuger beschreibt.

Studenten lernen an der Hochschule Geisenheim

als Hochschule neuen Typs nach Empfehlungen des Wissenschaftsrats gegründet

Flaschen Wein pro Jahr werden an der Hochschule produziert

Semester Regelstudienzeit für den Master of Science in Oenologie

Wir sind am Nachmittag mit Herrn Pfeifer zum Sensorik-Kurs verabredet. Dieser wöchentliche Kurs dient der Sensibilisierung der eigenen Geschmackssensorik und infolgedessen der Identifizierungsfähigkeit des Anbaugebietes ausschließlich durch die eigene gustatorische Wahrnehmung. Wir erfahren, dass Geruch und Geschmack der einzelnen Weine aus der Kombination der verwendeten Rebsorte und dem, was der Winzer daraus macht, entstehen. Die Studenten lernen also im Sensorik-Kurs, den Wein einzuschätzen und zu bestimmen. Auf dem Plan stehen heute fränkische und badische Weine. Die Themen wechseln wöchentlich, so dass ein möglichst großes Spektrum an Weinen erlernt werden kann. Auch Fehler-, Mängel- oder Krankheitsanalysen der Reben stehen auf dem Plan.

Die Studenten des vierten Semesters, die an der heutigen Weinprobe teilnehmen, scheinen bereits bestens geschult: „Wenn man diesem Wein etwas vorwerfen kann, dann vielleicht, dass er ein bisschen zu viel Alkohol enthält, ansonsten gefällt er mir gut. Er ist rund und cremig mit einer balancierten Schiene…“, analysiert Lars Thielmann. Ich ziehe mir den 50-Euro-Wein durch die Zähne und nicke anerkennend. Ich verstehe zwar kein Wort, beschließe aber, dass dies hier das beste Unterrichtsfach der Welt ist, und schenke nach. 

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