Kaffee Pura setzt auf digitale Business Intelligence

Das Credo des Unternehmens aus Gießen: durch direkte Vertriebswege hochwertigen, sortenreinen Kaffee anbieten und gleichzeitig sozial und ökologisch verantwortlich handeln. Die Digitalisierung war bereits elementarer Teil des Businessplans. Auch heute bietet sie immer wieder neue Möglichkeiten zur Optimierung der Betriebsprozesse.

„Es ist eine never-ending Story“, so Markos Gebreselassie, Gründer und Geschäftsführer der Kaffee Pura GmbH. „Das breit gefächerte Thema Digitalisierung beeinflusst viele Bereiche und Abläufe. Hinzu kommt die Schnelllebigkeit: Prozesse sind bereits in kürzester Zeit überholt. Weiter arbeiten und gegebenenfalls nachjustieren – so lautet daher die Devise.“ Es ist seine Idee gewesen, die Kaffee Pura GmbH von Anfang an digital aufzustellen.

Markos Gebreselassie, Gründer und Geschäftsführer der Kaffee Pura GmbH

„Wir müssen unsere Daten in die übergeordneten Systeme großer Supermärkte des Lebensmittel-Einzelhandels sowie in die der Big Player des Online-Versandhandels integrieren – das ist eine Dauerbaustelle.“

Markos Gebreselassie
Gründer und Geschäftsführer der Kaffee Pura GmbH

Das Unternehmen mit Sitz in der mittelhessischen Universitätsstadt Gießen besteht seit 2011 und beschäftigt aktuell 17 Personen. Es bezieht circa 80 Tonnen hochwertigen, sortenreinen, bio-zertifizierten Kaffee pro Jahr direkt vom Erzeuger in Äthiopien, dem Heimatland von Gebreselassie.  Gebreselassie und sein Team vertreiben diesen sowohl roh als auch geröstet über einen Online-Shop. Abnehmer sind private und geschäftliche Kundinnen und Kunden. Gleichzeitig übernimmt der Betrieb soziale Verantwortung für die Herstellung und handelt nach den Prinzipien des Fair Trade.

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Informieren, beraten, vernetzen

Im Rahmen des Technologielandes Hessen informiert, berät und vernetzt die Hessen Trade & Invest GmbH Unternehmen, die zukunftsweisende Innovationen entwickeln. Im Auftrag des Hessischen Wirtschaftsministeriums unterstützt sie bei der Entfaltung wirtschaftlicher Potenziale und macht technologische Spitzenleistungen sichtbar.

Mit Produkt und Philosophie liegt Kaffee Pura voll im Trend: Kaffee ist in Deutschland ganzjährig das beliebteste Heißgetränk. 40 Prozent des hierzulande getrunkenen koffeinhaltigen Wachmachers stammen aus Äthiopien.

Die Faszination für das Kulturgetränk und seine zeremonielle Zubereitung wurde dem 42-Jährigen somit in die Wiege gelegt. Während seines Studiums der Wirtschaftswissenschaften kombinierte Markos Gebreselassie dies erfolgreich mit seinem Unternehmergeist.

Eine der ersten großen Herausforderungen: die adäquate Integration der Kooperativen. „Hier galt es, zunächst für den notwendigen Informationsfluss und die Kompatibilität zu sorgen. Die Bäuerinnen und Bauern in Äthiopien müssen wissen, was die Kundschaft in Deutschland erwartet, welche Ansprüche und Vorlieben sie hat“, erklärt Gebreselassie. Er stellte ihnen die benötigte Technik zur Verfügung, um die gewünschten Röstprofile für die Bohnen digital übermitteln zu können und somit den perfekten Röstvorgang vor Ort zu gewährleisten. „Dies ermöglicht gleichbleibende Qualität, nimmt allerdings viel Zeit und finanzielle Mittel in Anspruch.“

2020 bewarb Markos Gebreselassie sich schließlich erfolgreich um den DIGI-Zuschuss des Landes Hessen. Diese Förderung half dem Entrepreneur in neue Cloud-Technologie und Hardware zu investieren. Der gesamte Produktionsablauf ist inzwischen digitalisiert – inklusive umfangreicher Prozessoptimierungen.

Markos Gebreselassie, Gründer und Geschäftsführer der Kaffee Pura GmbH

Foto: Kaffee Pura GmbH

Digital von Anfang an: Die Website von Kaffee Pura

Foto: Kaffee Pura GmbH

Dabei setzt das Unternehmen auf eine Business Intelligence-Lösung: Alle Schritte werden miteinander vernetzt, unterschiedlichste Daten effizient ausgewertet und in einem Wirtschaftssystem abgebildet. Über eine Art Dashboard behält der Firmengründer alles im Blick: Wie setzt sich die Kundschaft zusammen? Welche Kaffeesorte wird am meisten verkauft? Wie verteilt sich der Umsatz regional? Welche Röstung ist wo am beliebtesten? Wie unterscheiden sich die Bestellprozesse im Segment Business-to-Business und Business-to-Customer voneinander? Ebenfalls wichtig für den Vertrieb: Die Benutzerfreundlichkeit und Sichtbarkeit der Website.

Aktuell besonders schwierig gestaltet sich die Einbindung des fair und nachhaltig gehandelten Kaffees bei Vertriebspartnern: „Wir müssen unsere Daten in die übergeordneten Systeme großer Supermärkte des Lebensmittel-Einzelhandels sowie in die der Big Player des Online-Versandhandels integrieren – das ist eine Dauerbaustelle.“ Den wichtigsten Vorteil der Digitalisierung sieht er in der Rückverfolgbarkeit: „Diese Technik hebt die Veranschaulichung unserer Lieferketten für unsere Kundinnen und Kunden auf ein vollkommen neues Niveau!“

Trotz bereits zahlreicher umgesetzter Digitalisierungsmaßnahmen gibt es Pläne für die Zukunft: Da viele Anbaugebiete im Dschungel der Hochregion Äthiopiens nur schwer zugänglich sind, möchte der Gründer und Geschäftsführer von Kaffee Pura dort bald Drohnen einsetzen. Diese könnten dann beispielsweise den Gesundheitszustand der Kaffee-Bäume oder den Reifegrad der Bohnen beim Überfliegen prüfen. Dadurch würde die Technologie helfen, den Eingriff des Menschen ins empfindliche Ökosystem zu reduzieren – ein weiterer Beitrag zur Nachhaltigkeit.

Wissenswertes zum Thema

DIGI-Zuschuss des Landes Hessen

Mit dem DIGI-Zuschuss erhalten kleine und mittlere Unternehmen (KMU) der gewerblichen Wirtschaft sowie Freie Berufe bis zu 10.000 Euro vom Land Hessen zu ihrem Digitalisierungsprojekt. Gefördert werden Projekte ab zuwendungsfähigen Sachausgaben in Höhe von 4.000 Euro. Der Fördersatz beträgt bis zu 50 Prozent. Gute Karten für den Zuschuss haben Unternehmen, die erkennbar darlegen, wie sie ihren Digitalisierungsgrad durch den DIGI-Zuschuss erhöhen werden.