Mit viel Spaß das Ungewöhnliche im Foto festhalten

von Benjamin Jungbluth

Mit viel Spaß das Ungewöhnliche im Foto festhalten

von | 10. Jun 2020 | Kunst & Kultur

Fotograf Dennis Möbus

 

Eine riesige Deutschland-Fahne aus mehr als 100 Autos und das größte Zwillingstreffen, das Hessen je gesehen hat: Der Fotograf Dennis Möbus liebt außergewöhnliche Projekte und hat mit seinen Arbeiten großen Erfolg. Sein Antrieb ist die große Freude an seinem Beruf, die schon als Kind in ihm geweckt wurde. Dafür wählt er auch mal unkonventionelle Wege.

„Als Fotograf muss man neugierig sein. Und als Freiberufler muss man konsequent am Ball bleiben und sich breit aufstellen.“

Dennis Möbus
Freier Fotograf

Nicht nur die idyllische Gemeinde Trebur hatte so einen Auflauf noch nicht gesehen: In ganz Hessen war die Aktion einmalig. Und mit 120 äußerlich nahezu identischen Paaren erreichte das „1. Hessische Zwillingsfestival“ schließlich sogar die Teilnehmerzahlen von deutschlandweiten Treffen. Am 13. Juli 2014 – dem Tag, an dem am Abend Deutschland zum vierten Mal Fußball-Weltmeister werden sollte – versammelten sich in dem kleinen Ort bei Groß-Gerau 240 Menschen, die ihren perfekten Doppelgänger mitgebracht hatten: Jeweils im gleichen Outfit und möglichst identisch zurechtgemacht, zeigten die vielen eineiigen Zwillingspaare ihre optische Besonderheit. Initiator dieses Treffen war der aus Trebur stammende Fotograf Dennis Möbus. Für seine Diplomarbeit unter dem Titel „Living Copies?“ ging er künstlerisch der Frage nach, wie Zwillinge zu ihrer individuellen Identität finden, wenn es doch eine „lebende Kopie“ von ihnen gibt.

„Fast jeder kennt einen Zwilling, aber im Alltag treten diese Menschen nur selten gemeinsam und identisch zurechtgemacht auf. Also dachte ich mir, dass ich mit einem extra organisierten Treffen die größte Chance hätte, Teilnehmer für mein Diplomprojekt zu finden“, erzählt Dennis Möbus auf dem antiken Sofa in seinem Fotostudio, wo er damals sämtliche Zwillingspaare für sein „Casting“ porträtierte. Doch das Festival war für Dennis Möbus nicht nur Mittel zum Zweck, sondern ein außergewöhnliches Ereignis, das seinen ganzen Heimatort zusammenbrachte. Freiwillige Feuerwehr, Kerweborsch, Landfrauen, Gesangverein – alle machten mit an diesem sonnigen Sommertag. Die Stadtwerke Rüsselsheim prämierten das „ähnlichste Zwillingspaar“, für die Kinder gab es eine Hüpfburg und am frühen Abend folgte – nach unzähligen Paar-Porträts auf dem antiken Sofa – das große Gruppenbild aller Zwillinge. Zum Ausklang wartete selbstverständliche das gemeinsame Schauen des WM-Finales, das mit dem deutschen Weltmeistertitel endete: für Fußball-Fan Möbus ein weiteres außergewöhnliches Erlebnis. „Das war einer der coolsten Tage meines Lebens“, erinnert er sich bis heute gerne zurück.

Ausstellung mit Werken von Dennis Möbus zu seiner Begleitung der Rallye Dakar.

Bild: © Dennis Möbus

Dennis Möbus als Fotograf bei der Rallye Dakar.

Bild: © Dennis Möbus

Auto-Shooting in Marokko.

Bild: © Dennis Möbus

Shooting mit dem Hessentags-Paar.

Bild: © Dennis Möbus

Eindrücke von der Deutschland-Fahne aus Autos in Trebur zur Fußball-WM 2014, organisiert von Dennis Möbus.

Bild: © Dennis Möbus

Eindrücke von der Deutschland-Fahne aus Autos in Trebur zur Fußball-WM 2014, organisiert von Dennis Möbus.

Bild: © Dennis Möbus

Eindrücke von der Deutschland-Fahne aus Autos in Trebur zur Fußball-WM 2014, organisiert von Dennis Möbus.

Bild: © Dennis Möbus

Eindrücke von der Deutschland-Fahne aus Autos in Trebur zur Fußball-WM 2014, organisiert von Dennis Möbus.

Bild: © Dennis Möbus

Porträt von Dennis Möbus.

Bild: © Alexander Woerl

Eindrücke vom "1. Hessischen Zwillingsfestival" 2014 in Trebur, von Dennis Möbus organisiert.

Bild: © Dennis Möbus

Eindrücke vom "1. Hessischen Zwillingsfestival" 2014 in Trebur, von Dennis Möbus organisiert.

Bild: © Dennis Möbus

Eindrücke vom "1. Hessischen Zwillingsfestival" 2014 in Trebur, von Dennis Möbus organisiert.

Bild: © Dennis Möbus
Für den umtriebigen Fotografen, der seinen beruflichen wie privaten Lebensmittelpunkt in Hessen hat, muss Arbeit spannend sein und Spaß machen. Doch was vielleicht zunächst nach einer übergroßen Erwartungshaltung jüngerer Generationen klingt, ist bei Möbus der Garant für seinen Erfolg. Der 31-Jährige hat sich in Hessen einen Namen als Fotograf gemacht, nicht nur durch sein bundesweit Aufsehen erregendes Zwillingsprojekt. Zahlreiche außergewöhnliche Arbeiten zeugen von seiner Kreativität, während Auftragswerke für Ministerien, Automarken, Großbanken und die US-Streitkräfte dem jungen Bildkünstler auch unternehmerischen Erfolg sichern. Den er freilich nur haben kann, weil er das tut, was er liebt – ungewöhnliche und ausgeflippte Projekte inklusive.

„Obwohl die Planungen für das Zwillingsfestival schon lange liefen und wir mit den Details doch sehr beschäftigt gewesen sind, hatten ein paar Freunde und ich zum Beginn der Fußball-WM noch eine weitere verrückte Idee: Eine riesige Deutschland-Fahne, bestehend aus Autos und fotografiert mit einer fliegenden Drohne“, erzählt Dennis Möbus schmunzelnd. „Das war mehr aus einer Bierlaune heraus entstanden, aber irgendwie hat uns dann doch der Ehrgeiz gepackt.“ Also organisierte er nur eine Woche vor seinem großen Treffen – das immerhin die Grundlage seiner wichtigen Diplomarbeit werden sollte – ein weiteres Event. Per Facebook rief er zum automobilen Flashmob auf: Die Veranstaltung ging viral. Mehr als 100 Fahrzeuge kamen zusammen, die auf dem großen Platz vor dem Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr von Trebur in der Sonne glänzten und es als größte Deutschland-Flagge sogar in die ZDF-Nachrichten schafften. „Bei den schwarzen Wagen gab es keine Probleme und bei den roten konnten wir dank unserer Feuerwehr etwas nachhelfen. Aber wer fährt heute noch ein gelbes Auto?“, muss Möbus immer noch über die damalige Aktion schmunzeln. Mit Hilfe von Oldtimern und einem signalgelben Baggers gelang die Aktion dann doch – und neben zahlreichen Schaulustigen aus der gesamten Region hatte auch er selbst wieder seinen Spaß an der Arbeit.

Schon der Weg in seinen Traumberuf war bei Dennis Möbus unkonventionell. Mit sieben Jahren bekam er seine erste Kamera geschenkt, mit 13 kaufte er sich seine erste professionelle Spiegelreflex, freilich noch mit analogem Film. Was Foto-Enthusiasten heute als „wahre Fotografie“ begeistert, stellte sich für den angehenden Experten allerdings als unerwartete Hürde dar: Stolze 40 Filme machte er bei einer USA-Reise voll, die er von seiner Tante zur Konfirmation geschenkt bekommen hatte. Doch das Entwickeln der zahlreichen Negative kostete viel Geld – zu viel für den Teenager mit der frisch geweckten Leidenschaft. „Ich habe deshalb immer nur ein oder zwei Filme ins Labor bringen können, bis mein Taschengeld wieder aufgebraucht war. Bis ich also sämtliche Ergebnisse meiner Reise sehen konnte, vergingen Monate“, erzählt Möbus lachend.

Zwillinge beim "Hessischen Zwillingsfestival"

Autos für eine riesige Deutschlandfahne

Filme auf erster Foto-Reise verbraucht

Fotos entstehen pro Jahr im Schnitt

Derartige Probleme sind heute dank digitaler Technik fast schon düstere Vergangenheit, doch Dennis Möbus erinnert sich trotz aller Hürden gerne an seine Anfangszeit als Fotograf zurück: „Um mir mein Hobby zu finanzieren, habe ich Pizza ausgefahren, gekellnert und in einem Büro gearbeitet. Mit dem Ersparten habe ich dann meine Ausrüstung immer weiter verbessert.“ Mit 18 Jahren begann er als freier Mitarbeiter bei der Tageszeitungsgruppe Echo, berichtete in Bild und Text über lokale Ereignisse in Südhessen und baute sich Kontakte auf. „Irgendwie blieb da nicht so viel Zeit und Begeisterung für die Schule übrig. Eigentlich wollte ich das Abi machen, aber dann habe ich mich doch für ein einjähriges Praktikum beim Institut für Mediendesign in Mainz entschieden“, erzählt Möbus. Bereut hat er diesen unkonventionellen Schritt nie – im Gegenteil. „Ich habe damals so viel in der Praxis gelernt, dass ich darauf meinen ganzen späteren Erfolg aufbauen konnte. Manche der Firmen, mit denen ich damals in Kontakt gekommen bin, sind noch heute meine treuen Kunden.“

Mit dem nachgeholten Fachabitur bewarb er sich schließlich an der Hochschule Darmstadt, um Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Fotografie zu studieren. Die Stadt im Südhessischen hat einen außergewöhnlichen Ruf in der Branche und entsprechend gelten an der Hochschule hohe Anforderungen: Mit ihm wurden nur 60 der rund 600 Mitbewerber angenommen, erzählt Dennis Möbus. „Meine praktische Erfahrung, die ich statt der Schule sammeln konnte, hat die Sache für mich entschieden“, ist der 31-Jährige überzeugt. Und so ist es wohl kein Wunder, dass Möbus auch während seines Studiums permanent Aufträge annahm, eigene Ausstellungen bestückte und bereits als freiberuflicher Unternehmer richtig ins Geschäft einstieg.

„Als Fotograf muss man neugierig sein“, sagt Dennis Möbus. „Und als Freiberufler muss man außerdem konsequent am Ball bleiben und sich breit aufstellen.“ Einen speziellen Schwerpunkt hat er folglich nicht, ein Künstler mit Starallüren oder Berührungsängsten will er auf gar keinen Fall sein. „Man muss einfach möglichst aktiv sein, was mir leichter fällt, wenn ich Spaß an der Sache habe. Aber der Kunde gibt die Richtung vor, nicht der Fotograf – ich bin eben ein Dienstleister“, sagt Möbus.

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In seinem eigenen Fotostudio nimmt er auch kleine Aufträge an. Gerade vor Weihnachten wollen viele Nachbarn und Familien aus dem Ort Porträts zum Verschenken an ihre Liebsten anfertigen lassen. Der persönliche Kontakt und die Verbundenheit zu seiner Heimat sind Dennis Möbus dabei wichtig. Deshalb lebt er auch wieder in seinem Heimatort. Bis nach Frankfurt, Darmstadt und Wiesbaden ist es nicht weit, seine Aufträge führen ihn meist in die großen Zentren Hessens, Deutschlands und der ganzen Welt. Sein eigenes Studio bildet dazu einen Gegenpol: Drei Jahre lang hat er den ehemaligen Stall im Ortskern, der zwischenzeitlich auch die Feuerwehr und am Ende das Streufahrzeug der Gemeinde beherbergt hat, zu einem großen Atelier mit Wohnhaus umgebaut. „Mein Vater ist Elektriker und handwerklich sehr begabt, außerdem hat meine Freundin viel geholfen. Wir haben uns so unseren ganz eigenen Lebensmittelpunkt erschaffen. Das ist für mich der perfekte Ausgleich zum Job“, erzählt Möbus.

Wann immer möglich, ist der 31-Jährige im Ort unterwegs, „babbelt“ ein wenig mit den Älteren, unterstützt die lebendige Gemeinschaft der Jüngeren. Auch in der Freiwilligen Feuerwehr Trebur ist er seit Jahren aktiv, nicht nur zur Brandbekämpfung. „Einige Kameraden hatten Jahre zuvor einen humorvollen Feuerwehr-Kalender gebastelt, um Nachwuchs zu werben und auf das Ehrenamt aufmerksam zu machen. Und weil im Ort jeder weiß, was ich so mache, haben wir diese Tradition etwas professioneller wiederaufleben lassen: Fotos von echten Feuerwehrmännern und -frauen, die sich selbst nicht zu ernst nehmen und ganz viel Spaß bei ihrer Arbeit haben“, erklärt Dennis Möbus. „War doch klar, dass ich mich da sofort wohl gefühlt habe!“

Kontakt

Dennis Möbus
Studio für People-, Werbe- und Fashionfotografie
Mainzer Straße 21
65468 Trebur
E-Mail: dennis@d-photography.org

https://d-photography.org